Lehmbaustoffe können aufgrund ihrer materialtypischen Eigenschaften einen Beitrag zu ressourcenschonenden und klimaangepassten Baukonzepten leisten.
Nachhaltigkeit
Lehmbaustoffe verfügen über materialtypische Eigenschaften, die zu ressourcenschonenden Bauweisen beitragen können. Hierzu zählen unter anderem der Einsatz mineralischer Rohstoffe, die Möglichkeit einer recyclinggerechten Nutzung sowie bauphysikalische Eigenschaften wie Feuchteregulierung.
In Ökobilanzen können Lehmbaustoffe insbesondere durch einen vergleichsweise geringen Energieeinsatz bei der Herstellung und durch ihre Eignung für rückbau- und recyclinggerechte Konstruktionen berücksichtigt werden.
Lehmbaustoffe lassen sich sowohl im Massivbau als auch in verschiedenen Holzbauweisen einsetzen und können zur Optimierung bauphysikalischer und ökologischer Eigenschaften von Gebäudekonzepten beitragen.
Energiearm
Lehmbaustoffe werden nicht gebrannt, sondern entweder an der Luft oder durch Einsatz erneuerbarer Energie bzw. Abwärme getrocknet. Daher kann der Energieeinsatz im Vergleich zu energieintensiven Produkten in Abhängigkeit der Energiequellen zu einem reduzierten CO2-Fußabdruck beitragen.
Regionale Verfügbarkeit
Lehm ist in vielen Regionen Deutschlands als natürlicher Rohstoff grundsätzlich verfügbar. Lehmbaustoffe werden je nach Hersteller und Produktionsstandort regional unterschiedlich produziert und angeboten.
Recyclingfähigkeit und Wiederverwendbarkeit
Lehmbaustoffe weisen materialbedingte Potenziale für eine Wiederaufbereitung und Rückführung in den Materialkreislauf auf und können so Ansätze einer kreislauforientierten Bauweise unterstützen. Sie können in geeigneten Prozessen aufbereitet und in den Produktionskreislauf zurückgeführt werden. Lehm ist wasserlöslich und kann unter geeigneten Bedingungen durch Zugabe von Wasser wieder plastisch aufbereitet werden. Dadurch ergeben sich Potenziale für eine Wiederverwertung und eine Vermeidung von Bauabfällen. Dies setzt eine sortenreine Erfassung und entsprechende Aufbereitungsverfahren voraus. Lehmbaustoffe können daher den Materialkreislauf im Sinne kreislaufwirtschaftlicher Prinzipien unterstützen.
Schalldämmend
Lehmbaustoffe verfügen aufgrund ihrer Rohdichte über günstige Eigenschaften für den baulichen Schallschutz. Die erreichbare Schalldämmung ist dabei vom jeweiligen Wandaufbau abhängig und kann im Trockenbau gezielt unterstützt werden.
Feuchteregulierend und Raumluft
Lehmbaustoffe können aufgrund ihrer diffusionsoffenen Struktur zur feuchteregulierenden Wirkung von Wandoberflächen beitragen. Dabei können sie Wasserdampf aufnehmen und unter geeigneten Bedingungen wieder abgeben. Darüber hinaus wird Lehm in der Fachliteratur eine gewisse Bindungskapazität für einzelne luftgetragene Stoffe sowie Geruchsmoleküle zugeschrieben. Diese Wirkung ist abhängig von Materialzusammensetzung, Oberflächenbeschaffenheit und Raumluftbedingungen. Durch die regulierende Wirkung auf die Raumfeuchte können Lehmoberflächen zu einem ausgeglichenen Innenraumklima beitragen, was unter bestimmten Bedingungen auch die Entstehung von Schimmel begünstigenden Feuchtespitzen reduzieren kann.
Thermische Speichermasse
Lehmbaustoffe verfügen aufgrund ihrer Rohdichte über eine thermische Speicherkapazität, die zu einer verzögerten Aufnahme und Abgabe von Wärme beitragen kann. Dadurch können Temperaturschwankungen im Innenraum gedämpft werden.
In der Heizperiode kann dies dazu beitragen, dass Wärme zeitweise gespeichert und später wieder abgegeben wird, was den Heizwärmebedarf im Zusammenspiel mit der gesamten Gebäudehülle beeinflussen kann.
In heißen Sommerperioden können die speichernden Eigenschaften von Lehmbaustoffen dazu beitragen, Temperaturspitzen im Innenraum zu reduzieren. Vor dem Hintergrund zunehmender sommerlicher Hitzeperioden können bauphysikalisch optimierte, passive Maßnahmen wie der Einsatz speicherfähiger Baustoffe einen ergänzenden Beitrag zur Reduzierung von Überhitzung im Innenraum leisten. Der tatsächliche Effekt hängt stets vom Gesamtaufbau des Gebäudes und den Nutzungsbedingungen ab.
Langlebigkeit und Instandhaltung
Lehm als Baustoff ist ein natürlicher mineralischer Werkstoff, der sich durch eine hohe Anpassungsfähigkeit in verschiedenen Bauanwendungen auszeichnet und materialbedingt langlebige Konstruktionen unterstützen kann.
Lehmoberflächen lassen sich bei Verschmutzungen, fettigen Stellen oder kleineren Beschädigungen in vielen Fällen lokal ausbessern und instand setzen.
Aufgrund dieser Eigenschaften kann Lehm – neben seinen bauphysikalischen Merkmalen – zur Ausbildung wartungsfreundlicher und beständiger Oberflächen im Innenausbau beitragen.


